Verkehrsrecht

Kostenerstattung bei Selbstbeseitigung eines Mangels

Wenn man sich ein neues Fahrzeug kauft, geht man davon aus, dass es keinerlei Mängel besitzt. Doch was ist, wenn man innerhalb kürzester Zeit doch einen Mangel am Fahrzeug feststellt. Man kann in diesem Fall natürlich den Verkäufer aufsuchen und von diesem eine Reparatur oder unter Umständen sogar die Lieferung eines mangelfreien Fahrzeugs im Rahmen der Gewährleistungsrechte verlangen.

Möglicherweise will man sein Fahrzeug gerade nicht beim Verkäufer reparieren lassen, sei es, weil man diesem nicht mehr vertraut oder weil dieser einfach nur keine Möglichkeit für eine Reparatur hat. Kann der Käufer dann, ohne den Verkäufer von dem Mangel vorher in Kenntnis zu setzen, die Reparatur in einer anderen Werkstatt durchführen lassen und die Kosten trotzdem vom Verkäufer verlangen? Mit einem solchen Fall hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) (AZ: VIII ZR 100/04) auseinander zu setzen.

In diesem Fall erlitt ein Neufahrzeug schon nach sechs Monaten einen Motorschaden. Der Käufer ging daraufhin jedoch nicht zu seinem Verkäufer, sondern ließ den Motor in einer Vertragswerkstatt austauschen. Diese Reparaturkosten wollte er dann von dem Verkäufer seines Fahrzeuges ersetzt bekommen. Der BGH lehnte hier eine Ersatzpflicht des Verkäufers für die Reparatur zu Recht ab. Er begründete dies damit, dass der Käufer dem Verkäufer keine angemessene Frist zur Nacherfüllung gesetzt hat. Das bedeutet, dass man im Fall eines Mangels dem Verkäufer durch Setzen einer angemessenen Frist zunächst die Chance geben muss, den Kaufvertrag mangelfrei zu erfüllen. Dies kann sowohl durch die Nachbesserung als auch durch die Lieferung einer mangelfreien Sache geschehen. Erst wenn diese Frist verstrichen ist und diese auch angemessen lang war, kann man den Mängel selber auf Kosten des Verkäufers beseitigen lassen.

Es gibt aber auch seltene Fälle, in denen man auf eine solche Fristsetzung ganz verzichten kann. Wann ein solcher Fall vorliegt, bedarf jedoch immer einer sorgfältigen Prüfung des Einzelfalls. Auf jeden Fall ist es aber ratsam den Verkäufer von dem Mangel zu informieren. Gerade wenn man einen Mangel selber beseitigen will, sei es nach Fristsetzung oder ganz ohne, weil man mit dem Verkäufer nichts mehr zu tun haben will, sollte man sich anwaltlich beraten lassen, da man sonst schnell auf den Kosten sitzen bleiben kann.
 

Rechtsanwalt Falk Pitzke

Fachanwalt für Verkehrsrecht
Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht