Reiserecht

Pflichten und Haftung von Reisebüro und Reiseveranstalter

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat kürzlich zwei Grundsatzentscheidungen über die Haftung von Reisebüros und Reiseveranstaltern getroffen.

Im ersten Fall entschied der BGH über die Haftung des Reisebüros gegenüber dem Reisekunden bei einem Beratungsverschulden. Es ging um eine Reiseversicherung. Das Reisebüro hatte den Kunden, der eine dreimonatige USA-Reise buchte, nur auf eine Reiserücktrittskostenversicherung, jedoch nicht auf eine Reiseabbruchversicherung hingewiesen. Der Kunde musste die Reise schon auf dem Hinflug wegen einer Erkrankung abbrechen. Der Versicherer lehnte jegliche Leistung ab, weil es sich nicht um einen Rücktritt vor Reisebeginn, sondern um einen Abbruch der bereits angetretenen Reise handelte. Mangels einer Abbruchversicherung entstand dem Kunden in Gestalt der Kosten für bezahlte, aber nicht in Anspruch genommene Reiseleistungen ein Schaden von rund 4.000 €, für den er vom Reisebüro Ersatz verlangt.

Der BGH ging zunächst davon aus, dass das Reisebüro mit dem Reisekunden einen eigenen Reisevermittlungsvertrag abgeschlossen hatte. Ein solcher Reisevermittlungsvertrag hat grundsätzlich nur die Beratung des Kunden bei der Auswahl oder Zusammenstellung einer entsprechenden Reise zum Gegenstand. Wird hier falsch beraten und entstehen hierdurch Nachteile, haftet das Reisebüro. Das Reisebüro ist jedoch grundsätzlich nicht zu einer umfassenden Versicherungsberatung verpflichtet. Zwar hat es ebenso wie der Reiseveranstalter auf die Möglichkeit des Abschlusses einer Reiserücktritts- und einer Rücktransportkostenversicherung hinzuweisen, nicht aber ungefragt auf eine Reiseabbruchversicherung.

Im zweiten Fall ertrank ein elfjähriges Kind bei der Benutzung einer hoteleigenen Wasserrutsche, weil es sich nicht aus dem Sog eines ungesichertem Absaugrohrs befreien konnte. Die unmittelbaren Angehörigen, die alle an posttraumatischen Belastungsstörungen mit Krankheitswert leiden, verklagten den Reiseveranstalter auf Schmerzensgeld, weil dieser seine Pflicht verletzt habe, die Sicherheit der Hoteleinrichtungen zu überprüfen.

Der BGH erkannte den Schmerzensgeldanspruch an, weil der Reiseveranstalter es versäumt hatte, die Einhaltung der Sicherheitsstandards durch das Vertragshotel (Verkehrssicherungspflicht) zu prüfen. Dies gilt selbst dann, wenn hoteleigene Anlagen wie diese Rutsche in der im Reisekatalog des Veranstalters enthaltenen Hotelbeschreibung nicht erwähnt ist und der Hotelbetreiber für die Benutzung ein gesondertes Entgelt verlangt.

Da im Rahmen einer Reise eine Vielzahl von Vertragsbeziehungen (Buchender-Familienangehörige- Reisebüro-Reiseverantalter-Hotelbesitzer etc.) bestehen, sollte die Prüfung und Durchsetzung möglicher Ansprüche in jedem Fall unmittelbar nach Reiseende einem im Reiserecht versierten Rechtsanwalt übertragen werden. Dies nicht zuletzt, weil Reiseveranstalter unzufriedene Kunden sehr oft mit äußerst geringen Entschädigungen abfinden wollen.

 

Rechtsanwalt Markus Gärtner