Reiserecht

Entschädigung für nutzlose Urlaubszeit

Es ist mittlerweile bekannt, dass man von einem Reiseveranstalter neben der Minderung des Preises auch eine Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen kann, wenn die Reise ganz erheblich durch Mängel beeinträchtigt wurde. Doch was ist, wenn der Reiseveranstalter den Kunden am gebuchten Urlaubsort gar nicht unterbringen kann, die Reise somit ganz vereitelt ist und der Kunde die Urlaubszeit zu Hause verbringt?

Mit dieser Frage hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) in seiner Entscheidung vom 11.01.2005 (Az: X ZR 118/03) auseinanderzusetzen. In dem entschiedenen Fall konnte der Reiseveranstalter wegen Überbuchung die geschuldete Reise an den vereinbarten Urlaubsort nicht ermöglichen und hatte dies auch zu vertreten. Er bot dem Kunden deshalb eine Ersatzreise im selben Land an, was dieser jedoch ablehnte. Trotz Ablehnung der Ersatzreise und Rückzahlung des Reisepreises musste der Reiseveranstalter zusätzlich eine Entschädigung für den nutzlos aufgewendeten Urlaub zahlen, den der Kunde zu Hause verbracht hatte.

Dies zeigt, dass eine vom Reiseveranstalter angebotene Ersatzreise nicht unbedingt angetreten werden muss. Mittlerweile geht der BGH so weit, dass man unter Umständen nicht nur einen Entschädigungsanspruch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit geltend machen kann, wenn man in dieser Zeit zu Hause bleibt, sondern auch wenn man weiter arbeitet oder eine andere nicht vom Reiseveranstalter angebotene Ersatzreise durchführt. Dies wird damit begründet, dass der konkrete Nutzen der Urlaubszeit, nämlich der Erfolg der vom Kunden beim Reiseveranstalter gebuchten Reise, auf die man sich gerade freut, nicht erreicht werden kann.

Unter welchen Umständen eine vom Reiseveranstalter angebotene Ersatzreise abgelehnt werden darf oder inwieweit eine andere Reise angetreten werden kann und trotzdem Entschädigungsansprüche bestehen, bedarf jedoch einer genauen rechtlichen Überprüfung des Einzelfalls.

 

Rechtsanwalt Markus Gärtner