Internetrecht

Böses Erwachen bei Online-Versteigerung

Immer mehr Internet-Nutzer sind bei dem wohl größten Online-Auktionshaus eBay registriert. Dort besteht die Möglichkeit, Artikel mit einem bestimmten Mindestverkaufswert anzubieten, was dem Verkäufer einen Mindesterlös sichert. Psychologisch ist es oft ratsamer, das Mindestgebot mit einem Euro anzusetzen. Die angebotene Leistung gerät so als Schnäppchen in das Visier des potentiellen Käufers. Dieser lässt sich von einem Überbieten nicht so leicht abschrecken wie von einem Mindestverkaufswert.

Diese Strategie birgt jedoch Gefahren in sich.

So hatte das Landgericht (LG) Bonn (AZ 1 O 307/04) einen Fall zu entscheiden, in dem ein BMW 320i Cabrio im Rahmen einer solchen 1-Euro-Auktion für 63,00 € ersteigert worden ist. Das Fahrzeug hatte einen Verkehrswert von 8.500,00 €. Nachdem der Verkäufer das Auto anderweitig verkaufte, klagte der eBay-Käufer auf Schadensersatz in Höhe von 8.500,00 €, welcher ihm durch die fehlende Möglichkeit der Weiterveräußerung des Autos entstanden ist.

Das LG Bonn gab dem Käufer Recht. So stellte es fest, dass die Wirksamkeit eines durch Internet-Auktion zustande gekommenen Kaufvertrages nicht voraussetzt, dass Leistung und Gegenleistung ausgeglichen sind. Das Risiko, mit einer Internetauktion einen unangemessenen Kaufpreis zu erzielen, trägt der Anbieter.

Im vorliegenden Fall dürfte für den Anbieter besonders bitter gewesen sein, dass bereits zwei Gebote in Höhe von 11.805,00 € und 11.905,00 € abgegeben, aber wieder zurückgenommen worden waren. Aus diesem Grunde kümmerte sich der Anbieter nicht mehr um den weiteren Auktionsverlauf und beendete seine Versteigerung auch nicht vorzeitig.

Hiernach dürfte es für einen eBay-Anbieter wohl sicherer sein, die Versteigerung bis zum Schluss zu beobachten oder aber ein Mindestgebot zu fordern. Käufer eines solchen „Schnäppchens“ sollten hingegen - bei größeren Sachen erst nach rechtlicher Beratung - auf die Durchführung des Vertrages bestehen und sie ggf. auch gerichtlich durchsetzen.

 

Rechtsanwalt Markus Gärtner